Eine Karosserie als Akku? Eine Carbon-Konstruktion, die sich selbst heilt? Lambos neues Elektro-Konzept wirkt wie aus dem Jahr 2050. Großartig!

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Die automobile Welt hat sich ganz schön gewandelt in den letzten Jahren. Die Zeiten kritikloser Liebe für spektakuläre PS-Monster neigen sich dem Ende entgegen. Elektro, Hybrid, autonomes Fahren – darum geht es jetzt in der Mobilitäts-Diskussion. Auch der sexyeste Autohersteller der Welt – ja, gemeint ist Lamborghini – muss sich diesen eher faden Themen stellen.

Das Gute ist: Wenn sich ein Unternehmen wie Lamborghini damit befasst, sind besagte Themen plötzlich überhaupt nicht mehr fad. Sagt Hallo zum Lamborghini Terzo Millennio Concept, einem elektrischen Supersportwagen, der wirkt, als wäre er aus dem Jahr 2050 herausgepurzelt.

Wie es dazu kam? Nun, vor etwa einem Jahr hat sich Lamborghini mit ein paar überaus schlauen Köpfen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zusammengetan. Gemeinsam will man die Themen Energiespeichersysteme und innovative Werkstoffe voranbringen. Das Ziel laut Lambo-Chef Stefano Domenicali: “Die Schaffung eines Projekts, das einen bedeutenden Beitrag zur Realisierung eines Supersportwagens für das dritte Jahrtausend leisten soll (daher auch der Name “Terzo Millennio”). Lamborghini muss die Träume für die nächste Generation realisieren.“

Sprich: Auch in Zukunft sollen noch Lamborghini-Poster über den Betten pubertierender Jugendlicher hängen. Die Autos auf diesen Postern werden dann rein elektrisch sein. Wenn auch nicht so, wie wir es heute kennen. Unter “den Ansatz bei der Energiespeicherung revolutionieren” macht es Lamborghini nämlich nicht.

Für den Terzo Millennio schrieb man sich deshalb die Abkehr von konventionellen Akkumulatoren auf die Fahnen. Stattdessen möchte man das Potenzial von Superkondensatoren ausloten. Die Ziele seien eine hohe Spitzenleistung, die Rückgewinnung kinetischer Energie (Abgabe und Aufnahme gehen hier viel schneller) sowie die Verbesserung der Lebensdauer. Die Kluft zur Energiedichte konventioneller Akkus solle geschlossen werden, gleichzeitig wolle man die hohe Leistung, das symmetrische Verhalten und die sehr lange Nutzungsdauer der Superkondensatoren-Technik erhalten.

Wie auch immer diese Technik am Ende aussehen wird, im Terzo Millennio ist sie an ein Allrad-Setup mit vier Elektromotoren gekoppelt. Ein Motor sitzt dann in jedem Rad. Als Vorteile dieser Anordnung nennt Lamborghini das hohe Drehmoment, die Umkehrbarkeit und die Möglichkeit von Energiebewegung „by wire“. Abgesehen davon bedeute es absolute Freiheit für Designer und Aerodynamiker.

Das bringt uns zum Thema Design und Aerodynamik. Wie ihr bemerkt haben werdet, sieht der Lamborghini Terzo Millennio für 2017er-Augen ziemlich entrückt aus. Auf eine positive Art und Weise, versteht sich. Das Auto baut “auf einer vollkommen neuen Architektur” auf. Es handelt sich dabei um ein Carbon-Monocoque, das Lamborghinis Forged-Composites-Technologie nutzt und lediglich das Energiespeichersystem und die Sitze aufnehmen muss. Darüber sitzt eine Carbon-Karrosserie, die radikaler denn je auf Aerodynamik geeicht wurde.

Ausserdem profitiert die Hülle des Terzo Millennio stark von Lambos wachsender Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von Carbonfaserstrukturen. “Leichtbau auf einer neuen Ebene” ist dabei nur ein Zukunftsgedanke. Der andere dürfte für deutlich offenere Münder sorgen. Man untersucht nämlich, wie sich aufladbare Nanopartikel in Carbonfaser-Werkstoffen verhalten. Offenbar wirken sie dort wie ein Akku, weil integrierte Nanoröhrchen Energie speichern. Vereinfacht bedeutet das: Die komplette Karosserie könnte künftig als Speichersystem herhalten.

Klingt abgefahren? Es wird noch wilder. Lamborghini und das MIT wollen nämlich, dass der Terzo Millennio sich selbst heilt. So soll er durch Unfälle verursachte Risse und Schäden an seiner Struktur eigenständig feststellen und Selbstreparaturvorgänge über Mikro-Kanäle auslösen, die mit Chemikalien für die Reparatur gefüllt sind. Klingt als wäre dieses Auto Wolverine. Und hat einen entscheidenden Vorteil: Auch Teile, die starkem Verschleiß ausgesetzt sind, könnten künftig aus Carbon sein und so das Fahrzeuggewicht weiter drücken.

Ein Ass hat der Lamborghini Terzo Millennio noch im Ärmel. Er kann nämlich auch selbst fahren. Klingt nicht besonders aufregend? Nun, vielleicht nicht auf der Autobahn (was er ebenfalls kann), aber womöglich auf einer Rennstrecke. Das macht keinen Sinn? Vielleicht doch. Nämlich dann, wenn euch der Millennio die perfekte Linie aufzeigt, dann an euch abgibt und – wie im Computerspiel Gran Turismo – als virtuelles Ghost Car vor euch auftaucht, dessen perfekte Linie ihr jagen müsst. “Unser Leitgedanke ist eine Inspiration aus dem, was heute unmöglich ist, um damit die Realität von morgen zu gestalten”, sagt Stefano Domenicali. Erwartet trotzdem keinen rein elektrischen, selbstheilenden Aventador-Nachfolger. Die Italiener sehen hier eher “erste Schritte in Richtung eines möglichen elektrischen Lamborghini-Supersportwagens.”

Autor: Stefan Wagner

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