Beängstigende Power, sehr viel Gewicht, V8 plus E-Motor und 0-100 km/h in 3,4 Sekunden: Performance-Zukunft oder totaler Overkill?

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Huch, so ein großes Auto auf so einer kleinen Rennstrecke ...

Jap, ich zermalme gerade dieses bemitleidenswerte 2,3-Kilometer-Rennstreckchen mit purer Opulenz. Vor mir jagt Rennfahrer/Instruktor/Finne Jukka Honkavuori einen 911 Turbo auf der bedeutend idealeren Linie, aber er kriegt mich einfach nicht aus seinem Rückspiegel. Ich fahre wohlgemerkt eine 2,4-Tonnen-Limousine mit einem großen Haufen Batterien im Hintern. Es ist absurd, ein gutes Stück beängstigend ... und hochgradig unterhaltsam.

Was ist das nur für 1 Panamera? Er hat sehr grüne Bremssättel ...

Das, meine Lieben, ist der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid. Die wundersame neue Performance-Welt, wenn ihr so wollt. Er hat in der Tat bemerkenswert grüne Bremssättel, aber da ist noch ein bisschen mehr.

Ihr könnt euch vorstellen, dass es ziemlich massive Auswirkungen hat, wenn man einem 550-PS-Luxus-Dampfer einen E-Motor mit 136 PS und 400 Newtonmeter aufsetzt. Ich meine, schon der normale Panamera Turbo ist ein ganz schöner Brocken. Und er zieht einem bei jedem Kickdown das Gesicht vom Kopf. Jetzt kriegt ihr von allem noch viel viel mehr. Es ist absurd, aber seltsamerweise funktioniert es fahrdynamisch ganz hervorragend.

Der Vancouver Island Motorsport Circuit (kann man schonmal machen, für die Testfahrt des „grünen“ Flaggschiffs ans westliche Ende von Kanda fliegen) hat sehr viele sehr kleine Ecken, doch das ist dem neuen Panamera-Topmodell relativ egal. So langsam kannst du in eine Biegung gar nicht reinfahren, dass dich die 850 Newtonmeter (800 davon schon bei knapp über 1 000 U/min) nicht wieder rauskatapultieren wie ein sehr schlecht gelaunter Schleudersitz. Das wirklich Irritierende ist aber: Der Mix aus unmittelbarer, völlig hanebüchener Leistung und einem properen 260-Kilo-Stück Extra-Speck, das sich vornehmlich heckwärts verteilt (allein die Batterien unter dem Kofferraum wiegen gut 130 Kilo), sorgt für eine spürbar theatralischere und überraschend amüsante Balance.

Aber er ist bleischwer ...

Klar ist er das. Deswegen versenkt Porsche im Turbo S E-Hybrid serienmäßig alle Fahrdynamik-Helferlein, die man in Zuffenhausen und Umgebung finden konnte. Adaptive Dämpfer (PASM), Wankstabilisierung (PDCC Sport), elektronische Hinterachssperre mit Torque Vectoring (PTV Plus), absolut monumentale Keramikbremsen (PCCB) mit 420er-Scheiben vorne und 410er-Scheiben hinten – alles serienmäßig dabei. Wenn ihr nicht die Langversion ordert, müsst ihr lediglich für die Hinterachslenkung Aufpreis löhnen. Der Wust an Akronymen soll dafür sorgen, dass sich „Wal“ ein bisschen mehr nach „Hai“ anfühlt und es funktioniert verblüffend gut.

Trotzdem wabert hier natürlich ein fetter Batzen Masse durch alle Himmelsrichtungen. Der E-Hybrid kann das sehr lange sehr gut verbergen, aber dreht den Hahn ein bisschen weiter auf und der kühle, erbarmungslos anschiebende Effizienz-Protz wird zum vogelwilden E-ntertainer.

 

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 Geht er quer?

War klar, dass diese unqualifizierte, sehr kindische Frage kommt. Aber wo wir schonmal dabei sind … ja, das tut er in der Tat. Gefühlt bewegt er sich mehr als der „normale“ Panamera Turbo, rutscht in langen schnellen Kurven erst ganz leicht vorne, dann mit viel Tamtam über alle Viere. Bisschen zu früh bisschen zu viel Gas und der leuchtenbandige Rubens-Po kommt auch sehr gerne mal solo geflogen. Der PTM-Allrad müht sich ja wirklich nach Kräften, aber gegen so verflucht viel überfallartigen Dampf (und fast drei Zehntner Akkus im Heck) zieht auch er hin und wieder den Kürzeren.

Achtgang-Doppelkupplung, Monster-Bremse und Luftfahrwerk wirken nach wie vor sehr porschig, auch wenn man schon immer das Gefühl hat, das sie gerade ganz schön pumpen für all diesen Wahnsinn. Es ist ein neues, ein anderes Fahrgefühl. Der Panamera 4 E-Hybrid mit seinen 462 PS ist ja schon ein reichlich schnelles Trumm, aber hier kriegt man erstmals eine Idee davon, dass Elektrifizierung eine Performance ermöglicht, die mit einem Verbrenner – und sei er noch so stark – einfach nicht machbar ist.

Klingt sehr umweltbewusst ...

Stimmt schon, eine teilelektrische, hausschwere Fünf-Meter-Limo auf einer winzigen Rennstrecke ist natürlich irgendwie Quatsch. Wird sowieso nie irgendwer ausprobieren. Aber auf den westkanadischen Hinterlandstraßen geht das Geschmunzle und Kopfgeschüttel nahtlos weiter: Launch-Control-Start, 0-100 km/h in 3,4 Sekunden. Würde ich draufbleiben 0-200 km/h in 11,7. 1,1 Sekunden schneller als der Panamera Turbo.

Ja saperlott reißt das an. Von Null weg. Vakuum im Magen, im Gesicht ziemlich grün. Im Brennraum gerade eher nicht, weil im Sport-Plus-Modus der Verbrenner die Batterie mitlädt, damit diese volles Rohr mit anschiebt. So wird das natürlich nix mit den 2,9 Liter Normverbrauch. Da könnt ihr eher noch eine 0 vors Komma schieben. Porsche hybridet ganz offen für den Bumms, nicht für den Verbrauch.

Wie gesagt, klingt sehr umweltbewusst ...

Moment mal, seit wann interessiert ihr euch für sowas? Und überhaupt, lasst mich erstmal ausreden, es geht nämlich auch komplett anders. Und das ist letztlich der Punkt, der dieses Auto so besonders macht: Dreht das kleine Modus-Rädchen rechts im Lenkrad einfach auf „E“ und aus dem hemmungslosen V8-Zampano wird ein lautlos gleitendes Luxusresort. Massagesitz an, völlige Ruhe, E-Wellness pur. Knapp 30-35 Kilometer könnt ihr so realistisch fahren, dann ist der 14,1-kWh-Akku leer und der Biturbo raunt sich zurück auf den Schirm.

Im Hybrid-Modus geht es auch weitgehend sanft zu, der Panamera segelt, wo es geht, fährt locker mit achteinhalb, neun Liter, verliert aber nie die Spannung. Wuchtig, geschmeidig, aber verbindlich. Und weiterhin nur einen Zehenwackler von haarsträubendem Vortrieb entfernt. Die 550 PS und 770 Newtonmeter des Biturbo-V8 schieben schließlich auch ohne E-Unterstützung recht umtriebig nach vorne. Soll der Elektromotor wieder mitlaufen – das Laden an einer normalen Steckdose dauert sechs Stunden, mit dem optionalen 7,2-kW-On-Board-Lader sind es 2,4. Alternativ gibt es im Hybrid-Modus zwei Fahrstufen, die Strom speichern oder den Akku laden.

Also macht diese Art von Mega-Hybrid wirklich Sinn?

Ich würde sagen: Auf jeden Fall. Klar ist der neue Panamera Turbo S E-Hybrid ein riesiges Stück Überfluss. Aber ein immens erstaunliches Stück Überfluss ist er eben auch. Das hier ist der stärkste und schnellste Plug-in-Hybrid der Welt. Ob man sowas braucht, sei dahingestellt. Aber wenn Porsche erstmals einen Hybriden zum Topmodell einer Baureihe macht, dann ist das zu begrüßen. Ein Benziner-Turbo-S mit – sagen wir mal – 600 PS würde sicher nicht so faszinierend leistungsentfalten. Und ihr könntet ihn keinesfalls mit einstelligen Verbrauchswerten im Alltag bewegen.

Konkurrenz? Derzeit eher mau. Ein Tesla Model S P100D mag geradeaus noch ein wenig kranker anschieben, hat in puncto Fahrdynamik und Qualität aber deutlich das Nachsehen. Außerdem fährt der Tesla alles, aber bestimmt nicht locker über 300 km/h. Mit der Porsche-Art von Zukunft kann man sich, bei aller Opulenz und einem mindestens 185.736 Euro großen Preisschild (ausstattungsbereinigt vertretbare 13.000 Euro über dem Panamera Turbo), also schon ziemlich gut anfreunden. Wir werden, wenn das so weitergeht, künftig jedoch sehr starke Mägen brauchen.

Auto: Stefan Wagner

Technische Daten Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid : 3996 ccm, V8-Biturbo+Elektromotor, Frontmotor, Allradantrieb, 680 PS, 850 Newtonmeter, 8-Gang-PDK, 0-100 km/h in 3,4 Sekunden, 310 km/h Höchstgeschwindigkeit, 2385 Kilo, 2,9 Liter/100 km, 66 g/km CO2, Preis 185.736 Euro

 

 

 

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